Introvertierte Kinder am Fototag – so gelingt dir ein natürliches Foto

Blog  »  Inspiration & Stil, 5. April 2019, Clara Biczkowski

Während des Fototags triffst du als Schul- und Kindergartenfotograf auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Das macht die Arbeit ja so abwechslungsreich und interessant, wie du es liebst. Aber nicht jedes Kind fühlt sich gleich pudelwohl am Set – manchmal braucht es ein bisschen Zeit zum Auftauen. Für introvertierte Kinder kann der Fototag eine große Herausforderung sein.

Das bedeutet aber nicht, dass es unmöglich ist, gute Fotos von einem schüchternen Kind zu machen. Du brauchst eigentlich nur etwas Feingefühl. Wir haben sieben Tipps für dich zusammengestellt, die dir als Kindergarten- und Schulfotograf dabei helfen, die Persönlichkeit eines introvertierten Kindes einzufangen.

1. Nimm jedes Kind ernst

Dieser Punkt ist der wichtigste von allen. Jeder Mensch möchte ernst genommen werden – egal wie alt. Wenn ein Kind besonders schüchtern oder introvertiert ist, hat das seinen Grund. Du willst dafür sorgen, dass sich ein introvertiertes Kind vor deiner Kamera wohlfühlt? Dann solltest du dich zuerst in seine Lage versetzen.

Für die Kinder bist du eine wildfremde Person oder jemand, den sie vielleicht beim letzten Schul- oder Kindergartenshooting im Jahr zuvor gesehen haben. Die Situation ist ungewohnt, eine Kamera wird auf sie gerichtet und ihre Eltern sind nicht dabei. Ganz schön unangenehm.

Bevor du anfängst, Fotos zu machen, nimm dir ein bisschen Zeit, um dich der jeweiligen Gruppe vorzustellen. Frage die Kinder, ob sie wissen, wer du bist und was du heute mit ihnen vorhast. So suchst du direkt zu Beginn den Kontakt zu den Kindern und gibst ihnen das Gefühl, gehört zu werden.

Im direkten Kontakt mit einem introvertierten Kind ist es wichtig, dass du Interesse zeigst. Wenn es dir passend erscheint, frag ruhig nach, wie das Kind sich fühlt und ob ihm irgendetwas unangenehm ist. Wenn ein Kind spürt, dass sein Wohlbefinden wichtig ist, fühlt es sich schon etwas besser aufgehoben.

Und vor allem: Sei authentisch! Ein Kind merkt, ob du wirklich meinst, was du sagst und tust. Kinder sind mit Gefühl viel besser zu erreichen als mit bloßen Worten.

2. Baue eine Beziehung auf

Auch nach einer anfänglichen Vorstellungsrunde bist du für ein introvertiertes Kind immer noch jemand Unbekanntes. Während des Shootings solltest du deshalb versuchen, eine Beziehung zu ihm aufzubauen.

Das fängt schon mit deiner Körpersprache an. Wenn du warm und offen erscheinst, ist das wohl der überzeugendste aller Eisbrecher. Sprich mit dem Kind auf Augenhöhe – auch buchstäblich: geh möglichst in die Knie oder hock dich hin.

Beginne eine Unterhaltung mit dem Kind, um das Eis zu brechen. Zu Beginn möchte das Kind womöglich noch nicht so viel reden. Fang deshalb mit Fragen an, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Mach dem Kind ein Kompliment über ein Accessoire, Kleidungsstück oder eine schöne Frisur.

Oder du erzählst zunächst etwas über dich, zum Beispiel was du am liebsten isst oder was die Lieblingsfernsehsendung deiner eigenen Kinder ist. Die fremde Person mit der Kamera wirkt dann schon nicht mehr ganz so einschüchternd.

Wenn du die Möglichkeit hast und das Kind sich etwas entspannt, kannst du auch andere Fragen stellen. Dabei ist wichtig, dass die Antwort dich wirklich interessiert. Die Frage danach, wie der Schultag war, kennen die meisten Kinder wohl schon auswendig. Wahrscheinlich weckt das nicht wirklich Interesse. Frage stattdessen etwas Persönlicheres: zum Beispiel nach dem Hobby oder dem Lieblingstier.

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3. Bleibe geduldig

Als Schul- und Kindergartenfotograf hast du sicher schon eine Engelsgeduld. Du bist dir wahrscheinlich auch bewusst, dass Geduld vor allem beim Fotografieren schüchterner Kinder immens wichtig ist. Trotzdem solltest du es dir immer wieder in Erinnerung rufen.

Mühsam aufgebautes Vertrauen kann durch einen unglücklichen Tonfall schnell wieder zerstört werden. Natürlich bist du während des Fototags oft unter Zeitdruck, aber auch das leiseste Bisschen Frust wird nicht förderlich sein. Introvertierte Kinder sind oft auch sehr feinfühlig, was die Emotionen anderer Menschen angeht. Sie werden es schnell merken, wenn du dich aufregst und das im schlimmsten Fall auf sich beziehen.

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Atme durch und versuche, in Gedanken nicht schon beim nächsten Kind zu sein. Du solltest zwar gut gelaunt wirken und mit dem Kind interagieren, aber versuche trotzdem, eine ruhige Atmosphäre beizubehalten. Lache nicht zu übertrieben und achte auf die Lautstärke, in der du sprichst. Dein Ziel ist es schließlich nicht, das Kind krampfhaft zum Lachen zu bewegen, sondern möglichst natürliche und entspannte Fotos einzufangen.

Falls du die Möglichkeit hast, kannst du die Kinder auch am Schluss zu fotografieren, die auf dich einen eher schüchternen Eindruck machen. Oder du versuchst, die Kinder zuerst mit der besten Freundin/dem besten Freund zu fotografieren, damit sie sich der Situation nicht alleine stellen müssen.

4. Verwende Requisiten

Für Kinder wie auch für Erwachsene gilt: Wenn wir nervös sind, haben wir gerne einen Gegenstand, an dem wir uns „festhalten“ können. Das kann ein Kuscheltier sein, eine kleine Decke oder auch ein Schaukelpferdchen.

Solche Requisiten bieten vor allem in der Kindergarten- aber auch in der Grundschulfotografie nicht nur tolle Interaktionsmöglichkeiten für den Shoot. Sie nehmen dem Kind auch den Druck. Mehr Gelassenheit kannst du außerdem oft erreichen, wenn das Kind vergisst, worum es eigentlich geht. Vielleicht kannst du auch im Vorfeld kommunizieren, dass die Kinder gerne ihr Lieblingskuscheltier mitnehmen können. So hat ein introvertiertes Kind wenigstens einen vertrauten Gegenstand bei sich.

Vor allem schüchterne Kinder schauen oft nicht instinktiv direkt in die Kamera. Auch hier können Requisiten dir helfen. Eine lustige Handpuppe in der freien Hand bringt die Kinder zum Lachen – und zwar genau in die richtige Richtung.

5. Was machst du da eigentlich?

Kinder haben vor allem Respekt vor Situationen, die sie nicht komplett verstehen. Hier kann es schon sehr helfen, wenn du das Kind etwas in den Prozess einbindest.

Das Ungewohnte an der Situation am Fototag ist ja vor allem die Kamera. Vielleicht hast du das Glück und die Situation erlaubt es, während des Shoots immer mal wieder kurze Pausen einzulegen, in denen du die Kamera umdrehst und dem Kind die Fotos zeigst. Das musst du für dich allerdings genau abwägen. Denn natürlich braucht das etwas mehr Zeit und der Wunsch zu gucken würde sehr wahrscheinlich auch bei anderen Kindern geweckt.

Dem introvertierten Kind kann es aber dabei helfen, zu verstehen, wie die Bilder entstehen und wie es sie selbst beeinflussen kann. Außerdem weckt ein tolles Foto den Wunsch, mehr auszuprobieren. Das Kind wird dann wahrscheinlich eher aus sich herauskommen.

6. Lobe so oft wie möglich

Es braucht viel Geduld und Vertrauen, um zu erreichen, dass ein introvertiertes Kind auftaut und sogar Spaß an einem Fotoshooting hat. Jeder kleine Erfolgsmoment sollte deshalb

anerkannt werden. Ohne positives Feedback weiß ein schüchternes Kind sonst vielleicht gar nicht, dass es etwas gut gemacht hat. Und schließlich wird ja jeder Mensch gerne gelobt.

Ein „super“ oder „das sieht richtig toll aus“ zwischendurch kann schon Wunder bewirken. Oder du freust dich zusammen mit dem Kind über ein schönes Foto, während ihr es auf deiner Kamera anschaut. Auch hier gilt: Du solltest unbedingt meinen, was du sagst.

7. Akzeptiere das Kind so, wie es ist

Nicht jedes Foto, das du machst, muss ein vor Selbstbewusstsein strotzendes, breit in die Kamera grinsendes Kind zeigen. Gute Schul- und Kindergartenfotografie fängt die ganz individuelle Persönlichkeit eines Kindes ein. Schließlich freuen sich die Eltern am meisten über Bilder, die ihr Kind so zeigen, wie es ist.

Auch introvertierte Posen können wunderschön eingefangen werden. Ein Kind, das hinter einem Stuhl hervorlugt oder sich ganz auf sein Spielzeug konzentriert. Diese Momente sind oft besonders schön.

Versuch also nicht, das Kind zu verbiegen und es dazu zu bringen, etwas zu tun, was nicht seinem natürlichen Wesen entspricht. Das Ergebnis wird so nämlich höchstwahrscheinlich gestellt wirken und weder du noch das Kind sind zufrieden.

Also keine Angst vor schüchternen Kindern! Als Schul- und Kindergartenfotograf bist du sicher schon ein großer Kinderfreund und hegst aufrichtiges Interesse für ihr Wohlbefinden. Kinder spüren das. Wenn du ihnen wirklich zuhörst und gerne Zeit mit ihnen verbringst, werden sie dir schneller vertrauen. Deine Liebe zu Kindern wird dir sicher dazu verhelfen, von jedem Kind genau das richtige Foto zu bekommen.

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Du hast deine ganz eigene Herangehensweise beim Shooting mit schüchternen Kindern? Erzähle uns davon in den Kommentaren!

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Clara Biczkowski